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Urlaub mit Gott
Datum:
15.06.2026
Autor:
P. Karl Schauer OSB

Wie soll das gehen? Ist das nicht zu hoch gegriffen? Mit einigen Heiligen vielleicht noch eher, wie mit der hl. Hildegard von Bingen oder dem hl. Franz von Assisi. Die eine garantiert für eine gesunde Kost im Urlaub, der andere für Vögel, Getier, Schöpfung und alles, was uns die Natur schenkt und angeblich Gott geschaffen hat. Dafür sind viele blind und taub geworden, sie nehmen nur mehr wenig wahr. Allerdings die heilige Diätologin hat weder vegetarische, noch vegane Rezepte ausgegeben, sie hat gewusst und gelebt, was für den Menschen, seinen Körper und seine Seele gesund ist. Die Wüstenväter und heiligen Asketen würde ich für den Urlaub weniger empfehlen, das ist zu risikoreich für unsere verwöhnte Gesellschaft, die alles und jedes rund um die Uhr genießen möchte, obwohl das Fasten nicht nur eine Qual, sondern durchaus gesund ist.
 

Aber Urlaub mit Gott, nicht von Gott? Auch das ist möglich. Gott zu denken, ihn zu suchen, kann schon aufregend genug sein, den Urlaub nicht verpfuschen, aber das Leben bereichern. Gott ist überall, nicht nur in der Natur, am Meer, auf den Bergen, vor allem aber bei den Menschen. Er verbirgt sich nicht hinter den Wolken im Niemandsland, sondern begegnet uns Menschen auf Augenhöhe, ist er doch ein Mensch geworden. Gott lebt in uns Menschen auf. Wo der Mensch dem Menschen wirklich begegnet, auch dem Gestrandeten, dem Einsamen, den Randexistenzen, wird Gott greifbar, weil er sich für uns Menschen verschwendet.

Gottesbegegnungen können ganz einfach sein: Zuhören, Hinschauen, Aufmerksamkeit, Anteilnahme. Wieder beten, Gott danken, die Kirchen beleben, miteinander Mahl halten, trösten, Freude stiften, Tränen trocknen, alles, was sonst im Getriebe des Alltages oft zu kurz kommt. Frieden zu wagen, sich für die große Welt zu interessieren, die Schrebergartenmentalität zu überwinden, über sich hinaus zu wachsen, die Werke der Barmherzigkeit zu tun, bringt uns diesem Gott, der sich für seine Welt aufreibt und vergeudet, nahe. Auch das Schöne ist nicht selbstverständlich, es verweist auf die Größe des Menschen und zeigt einen Gott, der uns alle mit Talenten und Begabungen reich beschenkt hat.

Eines aber übertrifft unser menschliches Denken und unsere Vorstellungen von Gott: Er ist besonders auch dort nahe, wo die Menschen Schuld auf sich laden und Sünde provozieren, im Unrecht, im Krieg, bei Gier und Neid, bei Geschwätz und Vorurteilen, in aller Armut, die diese Welt und ihre Menschen knebelt. Vielleicht ist die Begegnung mit Gott in solchen Situationen besonders greifbar, da sie unsere eigene Hilf- und Ratlosigkeit zeigen.
 

Leider, wir reden viel, kommunizieren ständig, sind immer online, werden von Nachrichten erdrückt, das Wesentliche aber, das Wort, das Leben schafft, kommt zu kurz. Diesem Raum zu geben, heißt: Gott mit in den Urlaub zu nehmen. Es gibt keine Lebenssituation, die für Gott fremd wäre, denn so, wie wir sind und werden könnten, hat Gott uns geschaffen. Eigentlich gibt es keine Menschen, die völlig gottlos sind, denn die Sehnsucht nach ihm steckt tief in uns. Ist doch jede und jeder ein Abbild Gottes, sein Ebenbild. So einfach und doch so aufregend kann ein Urlaub mit Gott sein. Es lohnt sich, wenigstens zu versuchen, Gott mitzunehmen und ihm einen guten Platz zu geben.  

 

 

Bild: Pixabay