Wofür nehme ich mir Zeit?

ZeitUnser Glaube hat sehr viel mit Zeit zu tun. Schon der Vergleich der Schöpfungsgeschichte der Bibel mit anderen Schöpfungslegenden zeigt uns, dass die Bibel die Zeit einmalig und unwiederholbar sieht. Deshalb sind wir auch besonders in die Verantwortung genommen, was wir mit unserer Zeit tun.

Aber wir wissen auch, dass unsere Erdenzeit ein Ende, ein Ziel hat, das – mag unser Leben auch hundert Jahre dauern – doch greifbar vor uns liegt. Dieses Ziel, den Himmel, gilt es zu erreichen. Hier gibt es einen großen Unterschied zu den fernöstlichen Religionen, wie etwa dem Hinduismus oder Buddhismus, wo Zeit im eigentlichen Sinn nicht existiert. Für einen Hindu ist diese Welt mit ihrer Vergänglichkeit nur eine von vielen, mein jetziges Leben nur eines von vielen, und je nachdem, wie gut oder schlecht ich gelebt habe, werde ich zu einem schöneren oder schlechterem Leben wieder geboren. Erst am Ende vieler solcher Leben kommt der Eingang ins Mokscha bzw. Nirwana, einer Art Himmel. Bei uns Juden und Christen ist das völlig anders.

Mein Leben ist einmalig, von Gott und meinen Eltern geschenkt und unwiederholbar. Es ist nicht ein Leben von vielen, sondern der unwiederholbare Ernstfall. Darum hat das Jetzt und Hier meines konkreten kleinen Menschenlebens auch eine unverwechselbare Kostbarkeit, weil es Teil meiner ganz persönlichen Geschichte ist und bleibt.

Wie gesagt, es ist Ernst, aber zugleich auch unglaublich ermutigend, dass nicht alles gelingen muss, bevor endlich nach Millionen „Versuchen“ bzw. Lernerfahrungen der Himmel möglich ist. Gott ist nicht ferne, sondern immer bei uns, „alle Tage bis ans Ende der Welt“. Wir werden auch in düsteren Zeiten nicht von ihm alleine gelassen, er geht mit uns durch „Hochzeiten“ und Trauerzeiten, und er selbst steht am Ende aller Zeit und schenkt uns seine Ewigkeit. Wer könnte uns ein Lebenskonzept geben, das damit konkurrieren könnte? Brauchen wir wirklich esoterischem Krimskram um viel Geld, wenn doch alles in der liebenden Hand Gottes ruht?

Und wir sollten uns auch fragen: wofür und für wen nehme ich mir etwas von meiner kostbaren Zeit?

Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen erholsame Urlaubs- und Ferienzeiten wünschen, Zeit zum Nachdenken und zur Ruhe, Zeit zum Pflegen von Gemeinschaft, Zeit für Spaß und für Ernst, und jeden Tag ein wenig Zeit für Gott, der uns die Zeit schenkt.

Kaplan Matthias