Jahr des Glaubens

 

jahr des glaubens

Papst Benedikt XVI fordert die Kirche auf, ein Jahr lang besonders über unseren christlichen Glauben nachzudenken. Nichts Neues unter der Sonne, könnte man auf den ersten Blick meinen. Denn wir „Gläubige“ wissen ja ohnehin Bescheid – schließlich haben wir Religionsunterricht gehabt, sind auf Erstkommunion und Firmung vorbereitet worden. Was will er denn noch?

Ich denke, der tiefste Sinn dieses Impulses, den uns der Papst gegeben hat, ist nicht, noch ein weiteres Glaubenslernseminar anzuhängen, das wir absolvieren, um dann endlich „aus der Schule“ zu sein. Es geht vielmehr darum, dass wir Gott wieder stärker da antreffen, wo sich unser Leben abspielt. Denn er ist da, wie sein Name Jahwe schon sagt, und zwar mit und für jeden Menschen. Das klingt so selbstverständlich, so oft ins Schulheft geschrieben und vom Pfarrer gepredigt, dass es schon beinahe wieder überhört wird. Ich gebe ehrlich zu, dass ich oft diejenigen Lesungen und Gebete in der Kirche, die ich am besten kenne, am wenigsten mitbete. Mir ist es auch schon passiert, dass ich das Glaubensbekenntnis anstimme und irgendwann das Schuldbekenntnis weiter bete. Das ist alles nicht weiter schlimm, aber es zeigt mir doch immer wieder, dass ich das, was ich schon zu haben glaube, oft gar nicht richtig beachte.

Dabei ist unser Glaube ja nicht ein Museum für gespeicherte Kindergebete, die man zu bestimmten Anlässen höflichkeitshalber aufsagt. Unser Glaube ist schlichtweg unser Leben. Unsere Beziehung zu Gott vollzieht sich jeden Tag neu, genauso wie die Freundschaft oder Liebe zwischen zwei Menschen gelebte Freundschaft, gelebte Liebe ist.

So geht die Frage nach dem woher und wohin des Menschen jeden von uns an, niemand kommt letztendlich um die Gottesfrage herum. Darum sollen sich von dieser neuerlichen und doch zugleich uralten Einladung Gottes, (nicht nur des Papstes) alle angesprochen fühlen: diejenigen, die dem Glaubensinhalt, den die Kirche lehrt, bereits mit dem Glaubensakt des Herzens zustimmen, aber auch diejenigen, die noch auf der Suche sind; denn ihr Suchen „stellt eine unauslöschlich ins menschliche Herz eingeschriebene ständige Einladung dar, sich auf den Weg zu machen, um den zu treffen, den wir nicht suchen würden, wenn er uns nicht bereits entgegengekommen wäre.“ (Schreiben des Papstes zum Jahr des Glaubens Porta fidei, 10)

Kaplan Matthias Platzer