Tag der unschuldigen Kinder

EVANGELIUM (Mt 2,14-16)
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.
Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.
Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. 
Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte.

Hat der Tag der unschuldigen Kinder an Aktualität verloren?

Josef nimmt in diesem Evangelium zwei Positionen ein, nämlich die des Schützers seiner Familie und auch die des Flüchtlings mit seiner Familie. Und da kommen die Fragen auf!

Schützen wir nicht alle unsere Lieben? 
Versuchen wir nicht auch jedes Risiko zu umgehen? Wir setzen alle nötigen Mittel ein, um sie zu schützen. Wir achten darauf, dass ihnen nichts passiert.
Doch gelingt uns das immer? Jeder von uns erlebte Situationen, wo er geglaubt hat, seine Lieben in Gefahr gebracht zu haben oder sie zu wenig behütet zu haben.

Täglich flüchten mehrere tausend Menschen aus ihrer Heimat. Manche nehmen ihre Familie mit, manche schicken nur ihre Kinder.
Und was ist der Grund dafür? Sie wollen kein Risiko eingehen und nicht an diesem gefährlichen Ort bleiben.
Doch begeben sie sich durch diese lange und vor allem gefährliche Reise nicht erst recht in Gefahr und gehen ein großes Risiko ein?
Viele Familien verkaufen ihr ganzes Hab und Gut dafür, dass ihr Kind flüchten kann, sie wollen nämlich, dass ihrem Kind ein besseres und vor allem schöneres Leben widerfährt. Ihnen ist es gleich, dass sie selbst auf der Straße sitzen, sie stecken nämlich ihre ganze Hoffnung die sie besitzen in ihr möglicherweise einziges Kind. Viele wissen nicht, wo ihre Kinder sind oder ob sie überlebt haben, doch der Glaube daran, dass sie es geschafft haben, gibt ihnen genug Kraft um weiterzuleben.

Zurück zum kleinen Jesus!
Woher wusste Josef, dass er das Richtige tut? Er wusste es genauso wenig wie wir alle, doch er vertraute auf Gott und hatte deswegen keine Angst dieses Wagnis einzugehen. Und auch als ihm wieder ein Engel im Traum erschien, machte er sich ohne zu zögern wieder auf die Reise zurück. Er riskierte das Leben seiner gesamten Familie. Diesen Mut konnte er nur aufbringen, da er einen großen Glauben und ein großes Vertrauen in Gott hatte.

Und genau dieser Glaube und dieses Vertrauen fehlt uns oft in brenzligen Situationen -  
und genau das müssen wir lernen:
das ständige Glauben und das Vertrauen auf Gott.

Kevin Werderits