Kann ein Papst in Pension gehen?

 

Wir alle haben es noch in Erinnerung: Der schwer kranke Johannes Paul II. geht seinen Weg mit letzter Kraft weiter bis zum Ende. Vom Kreuz könne man nicht einfach herabsteigen, soll er gesagt haben. Und viele wollten hinter dieser Einstellung ein völlig veraltertes Amtsverständnis sehen, typisch katholisch eben. Aber auch andere Stimmen waren zu hören, nämlich, dass auch das Alter seine Würde hat, dass auch für Kranke Platz sein muss. Für viele Menschen war dieser Papst das Gegenbild zum Gesundheits- und Schönheitswahn unserer überzüchteten Wohlstandsgesellschaft, in der Lebensweisheit keine öffentliche Rolle mehr zu spielen scheint.

Nun haben wir einen anderen Papst, Benedikt XVI. Er ist sicher eine völlig andere Persönlichkeit als sein Vorgänger, und es ist hier auch nicht der Ort zu oberflächlichen Vergleichen und Beurteilungen. Er überrascht die Welt damit, dass er sein Amt zurücklegt, weil er glaubt, dass er es nicht mehr ausfüllen kann. Wieder wissen die Medien offenbar mehr als „der liebe Gott“ Bescheid über die wahren Abgründe hinter dieser Entscheidung. Wieder wird spekuliert und neugierig über etwaige Nachfolger diskutiert.

Jedoch sollten wir nicht vergessen, dass beide Wege legitime Möglichkeiten waren, die Verantwortung dieses Amtes mit dem persönlichen Gewissen in Einklang zu bringen. Weil Päpste eben auch ganz normale Menschen sind.

Kaplan Matthias