Glauben heißt nichts wissen

"Glauben heißt nichts wissen" – diese spitze Antwort erhalten wir oft, wenn wir eine Vermutung anstellen, letztendlich aber keine stichfesten Argumente dafür haben.

Ein bisschen ist das auch so bei der Religion: wir können keine Beweise dafür erbringen, dass unser „Glaube“ der richtige, der wahre ist. Wir können uns lediglich auf Menschen verlassen, die uns glaubwürdig bezeugen, dass ihre Erfahrung echt ist. Steht da das Christentum nicht auf wackeligen Beinen?

Beleuchten wir die Sache einmal von der anderen Seite. Letztendlich besteht der größte Teil unseres Lebens aus „glauben“, aus nicht wissendem Vertrauen darauf, dass wir uns auf jemanden verlassen können. Kinder vertrauen ihren Eltern, dass sie sie nicht ertrinken lassen, wenn sie Schwimmen lernen, dass sie ihnen alles bereit stellen, was zum täglichen Leben nötig ist. Straßenverkehr könnte nicht funktionieren ohne den Glauben daran, dass sich die anderen an die Regeln halten. So hat auch Abraham Gott geglaubt, dass Gott ihn nicht fallen lässt, wenn er ihn in ein fremdes Land schickt. Moses hat an das verheißene Land geglaubt, obwohl er es selbst nie betreten hat. Sein Vertrauen auf die Zusage Gottes gab auch den anderen die Kraft, durchzuhalten. Jesus glaubte so bedingungslos an die Güte des Vaters, dass er sogar die Todesangst in Getsemani noch in die Hände Gottes legen konnte. Diese einzigartige Beziehung zwischen Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist ist gleichsam der Ausgangspunkt allen Glaubens.

Glauben bedeutet: den anderen frei geben im Vertrauen darauf, dass er diese Freiheit nicht missbraucht. So konnten auch die vielen Märtyrer Qualen und Tod auf sich nehmen, weil sie glauben konnten, dass Gott sie nicht ins Nichts fallen lässt, sondern sie auffangen wird. Dieser Glaube an den menschenfreundlichen Gott, den Jesus verkündet und vorgelebt hat, bewegte auch die Apostel, alles auf eine Karte zu setzen und ihr Leben in den Dienst der Verkündigung zu stellen.

Glauben für sich allein kann man eigentlich gar nicht, denn Beziehung gibt es nur zwischen Personen, nicht für sich allein. Wer die Beziehung zu Gott lebt, muss auch zu denen Beziehung halten, in denen Gott lebt und wirkt durch seinen Heiligen Geist. Glaube sucht die Gemeinschaft der Glaubenden, die zwar „nichts wissen“, aber vertrauen können, dass Gott alles zum Guten führen wird.

Kaplan Matthias